"Reichtum aus Polen..."

Von der sprichwörtlichen Stuhlkante aus verdrängen die heutigen Professoren der Warschauer Chopin-Akademie die sich woanders einschleichende Routine und überzeugen mit Spielfreude und konzentrierter Gelassenheit. Die polnische Musikalität findet beim Wilanów-Quartett Bestätigung in ihrer feinsten und verbindlichsten Form, ist maßgebend bei der Interpretation kammermusikalischer Literatur und trägt zum unverwechselbaren Gesamtklang des Ensembles bei. Die Auftritte der vier Weggefährten sind unverändert geprägt durch klare Präsenz, expressive Musizierkunst und ein musikalisches Miteinander, welches für Normalsterbliche unerreichbar zu sein scheint. Selten erlebt man ein Ensemble, das mit einer derartigen Interpretationsdichte aufwartet.

Dies hat Folgen: Einladungen an Brennpunkte des Kulturlebens in Europa in Übersee füllen bis zum heutigen Tage den bereits mit Meisterkursen, Rundfunk- und Fernsehproduktionen voll gepackten Terminkalender. Eine derart breite und überaus erfolgreiche Tätigkeit bleibt nicht unbemerkt; 1990 ehrte der polnische Komponistenverein die vier Musiker für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Popularisierung polnischer Musik im In- und Ausland. Im gleichen Jahr folgte der "Diapason d'Or" in Paris für die Einspielung der CD "Witold Lutosławski – Musique de Chambre". Das starke Engagement bei einem der bedeutendsten Festivals dieser Tage, dem "Warschauer Herbst" sollte sich dem großen Interesse der Musikwelt ebenfalls nicht entziehen; 1999 erhielt das Wilanów-Quartett den begehrten Kritikerpreis "Goldener Orpheus" für sein 15-jähriges, richtungweisendes Schaffen bei dem in aller Welt bekannten Festival. Zusätzlich wurde es für die Realisierung des groß angelegten Streichquartetts von Krzysztof Meier ausgezeichnet. Ausschlaggebend für Erfolge in der zeitgenössischen Musik ist ebenso die Zusammenarbeit mit Komponisten aus Deutschland, der Tschechischen Republik, Norwegen, Italien, Japan und Kanada.

Die neunziger Jahre standen unter dem Zeichen der "Dokumentation", schaut man auf die Herausgabe von über dreißig CD bei den bekanntesten Plattenlabels in Deutschland, Frankreich, Italien, USA und Polen. Die Einspielung von Edward Griegs Streichquartetten wurde dabei von der französischen Zeitschrift "Diapason" wiederholt mit den höchsten Auszeichnungen bedacht.

Die Aufzählung weiterer Ehrungen, Preise und Erfolge des Wilanów-Quartetts würde höchstwahrscheinlich den Rahmen einer jeden Publikation sprengen und bliebe doch in aller nur erdenklichen Ausführlichkeit selbstverständlich eine Bestätigung der Konstanz im unermüdlichen Schaffen der Herren Gadzina, Losakiewicz, Duź und Wasiółka.

In den letzten Jahren überschlugen sich Musikkritiker mit immer ausgefalleneren Bezeichnungen für die Qualität des Wilanów-Quartetts und lobten das Ensemble in höchsten Tönen. Doch immerwieder war es, wie sie selbst sagen, das "musikalische Miteinander", welches begeisterte.

Es bleibt dem Leser keine Interpretationsfreiheit, sieht er Kritiken mit Überschriften wie "Ein musikalischer Kosmos", "Kronjuwelen der reifen Kammermusik" oder "Klangschönheit ohne Ende". Diese Feststellungen wecken beim Fachpublikum und Interessierten Neugier, Respekt, manchmal Unglaube. Jedoch hat all das geweckte meistens einen und den gleichen Effekt: volle Konzertsäle und reichlich Gesprächsstoff mit der Frage:"...spielen sie demnächst bei uns?"

Anmerkung der Redaktion:
Das Wilanów-Quartett wird in Deutschland von der Agentur des polnischen Geigers Thomas P.Porwol vertreten. Weitere Informationen und CDs finden Sie unter: www.artistsplacement.com



Dynamik, Leidenschaftlichkeit, Spiellaune, wie man sie sich nur wünschen mag.

Lieselotte Sauer-Kaulbach Rhein-Zeitung

Traumhaftes Streichquartett. Was ein unverwechselbarer Gesamtklang einer Kammermusikformation sein kann, demonstrierte Polens berühmtestes Streichquartett, das Wilanow-Quartett, beim 5. Abend des Privatmusikvereins Nürnberg in der Meistersingerhalle, mit Werken von Mozart, Schnittke und Dvorak beeindruckend. Bereits mit Mozarts Streich­quartett Nr. 17, B-dur, dem "Jagdquartett", präsentierten sie ihren äußerst kultivierten Silberklang-Sound in traumhafter Balance, dennoch akzentuiert mit weichen Konturen, atmende Dynamik, edle Note im "Adagio", tänzerische Leichtigkeit im "Allegro asssai". In Alfred Schriittkes Klavierquintett integrierte sich kongenial der deutsche Pianist und Frankfurter Professor Christian Elsas zu den vier Streichern: kein Ton zu laut! Mit Dvoraks Klavierquintett op. 81 breiteten die fünf ihren slawischen Klangteppich voll tönend bewegter Form und aufblühender Stimmen aus; wunderbar unaufdringlich der Pianist, und trotzdem mit gepflegter Deutlichkeit.

 
Abendzeitung (Nürnberg),




Das Streichquartett, das in diesem Jahr sein 25. Jubiläum feiert, ist in Berlin immer wieder ein gern gehörter Gast. Sein blühender, sinnlicher Musizierstil und seine effektvollen Interpretationen passen perfekt in den Rahmen solch eines Freiluftkonzerts.

 
Martina Helmig, Berliner Morgenpost

Das innige Spiel mit dem großen Gefühlen


Schon das eingangs gespielte Streichquartett g-Moll op. 27 von Edvard Grieg klang intensiv und expressiv, nervig und mit vehementem Bogenstrich. Der dynamische Impuls der Streicher steigerte die Unruhe und lebhafte Motorik, die dem Werk eigen ist. Da sprühen Funken, wenn die Geiger Tadeusz Gadzina und Pawel Losakiewicz, der Bratschist Ryszard Duz und der Cellist Marian Wasiolka mit straffenergischem Ton und zügigen Tempi "molto agitato" durch die schnellen Sätze stürmen. Aber Grieg verleugnet in diesem Streichquartett, das man selten im Konzertsaal hört, auch nicht das romantische Erbe. Und so hat auch die lnterpretation des Wilanow-Quartetts zwischendurch einen lyrischeren Charakter, etwa in der Romanze mit ihrem großherzig aufblühenden Ton und dem kantabel strömenden Gesang des Cellos. Voller Elan und Leidenschaft legt sich das Ensemble kraftvoll in den stark tänzerischen Rhythmus des Intermezzos und des Schlusssatzes.

 
Roshwita Frey, Badische Zeitung

Wilanów-Quartett gastierte in Leipzig: Herzblut an den Saiten.


Ohne ersten Geiger läuft im Streichquartett so gut wie nichts. Selbst gutgeprobte Ensembles vermögen kaum mitreißender zu spielen, als ihr Primarius es zulässt. Andersherum ist es erstaunlich, wie stark der Ausdruckswille dar Führungsstimme auf die anderen abfärbt. Zum Beispiel Tadeusz Gadzina vom Warschauer Wilanów-Quartett. Der Violinprofessor ist keiner, des sich seinen Part bequem einrichtet und dann kraftsparend darauf hinspielt, den Konzertabend möglichst schadlos zu überstehen. Im Gegenteil. Kaum sitzt beim Leipziger Auftritt die Geige unterm Kinn, saugt sich das Bogenhaar an die Saiten, beginnt Gadzina eine ungeheuere Kraft zu entwickeln. Die verteilt sich nicht wild im Raum, sondern wird auf Griffbrett gebannt, animiert von dort aus die anderen Musiker des Wilanów-Quartetts und strahlt dann ins Publikum ab. In Sekundenbruchteilen entsteht eine Atmosphäre äußerster Gespanntheit.

Ohne Pause folgte Dvoraks F-Dur Quartett op. 96. Herrlich, wie die Musiker des Wilanów-Quartetts die Melodien aufblühen lassen und ihr Herzblut in die Saiten streichen. Die Begeisterung steckte an: Viel Applaus im Polnischen Institut.

Jörg Clemen, Leipziger Volkszeitung


Es lebte jedes Thema, sang jede Melodie

Helmut Hampel, Wiesbadener Kurier

Feinsinniges Spiel. Begegnung mit dem Wilanow-Quartett


Der Kammermusikabend am Montag in der Dreikönigskirche mit dem Wilanow-Quartett war von erlesener Qualität. Tadeusz Gadzina (Violine), Pawel Losakiewicz (Violine), Ryszard Duz (Viola) und Marian Wasiolka (Violoncello) musizierten feinsinnig und interessant, bestachen durch den immer ausgewogenen Gesamtklang. Geschickt meisterten sie die Überakustik der Kirche. Der Abend hatte mit Joseph Haydns Streichquartett D-Dur op. 76 Nr. 5 begonnen, besonders der zweite Satz, "Largo ma non troppo, cantabile e mesto", beeindruckte in seiner Ruhe. Die nun folgenden "Sacher Varationen für Violoncello Solo (zum 70. Geburtstag von Paul Sacher)" von Witold Lutoslawski gaben Marian Wasiolka die Möglichkeit, seine Virtuosität auf dem Violoncello überzeugend unter Beweis zu stellen. Nach der glänzenden Darbietung des Streichquartetts B-Dur op. 1 Nr. 1 m Joseph Haydn erklang zum Abschluss das schon erwähnte Streichquartett von Witold Lutoslawski. Es wurde von den Musikern mit Engagement und Genauigkeit aufgeführt. Das Publikum honorierte den Konzertabend mit starkem Beifall.

Werner Schiller, Dresdner Neuste Nachrichten


Gerne wird man sich an diesen Kulturfreunde Kammermusikabend zurückerinnern: Ein beglückendes Ensemble ebenso wie ein beglückendes Programm machten ihn wohl such für die nicht ganz ausgesprochenen Liebhaber dieser Disziplin zum Erlebnis: das Wilanów-Quartett und der Pianist Christian Elsas mit Werken von Grieg, Schnittke und Dvorak. Den Anfang machte das Quartett ohne den Pianisten - mit einem Paukenschlag. Man kann Edvard Griegs g­-Moll-Streichquartett getrost als solchen bezeichnen. Kaum ein Werk dieser Gattung ist so orchestral so eruptivemotional erdacht wie dieses. Das Streichquartett mutiert zum Symphonieorchester. Und Tadeusz Gadzina und Pawel Losakiewicz (Violine), Ryszard Duz (Viola) und Marian Wasiolka (Violoncello) verrieten mit diesem Stück viel über ihre musikalische Philosophie, über ihre Art des musikalischen Miteinanders, das weniger von mathematischer Logik geprägt zu sein scheint denn von außerordentlicher Emotionalität des Musizierens. So erhält dieses Gefühlgeladene Werk des norwegischen Melodikers, hinter dem manche eine Landschaftsskizze seiner Heimat in Tönen sehen eben eine Interpretation, die stark auf Agogik setzt, auf eine fast schon impressionistische Malerei von Tonfarben. Schon die einleitenden, aufschreienden Takte des ersten Satzes künden von expressivster Musizierkunst. Das Wilanów-Quartett ist vom ersten Akzent an voll präsent, Anlaufschwierigkeiten gibt es nicht. Selten wohl konnte ein Ensemble gleich von Konzertbeginn an mit einer solchen Interpretationsdichte aufwarte.

Alexander Dick, Nordbayerischer Kurie

Ein homogene Ensembleklang

Eröffnet wurde das Konzert mit Haydns ersten Streichquartett Opus 1 Nr. 1 in B-Dur. Gespielt wurde es von den Musikern des Wilanow Quartetts in geschmackvoller Weise, ohne übertriebene Effekthascherei. Da der Komponist der ersten Violine (Tadeusz Gadzina) eine Vorrangstellung eingeräumt hatte, bestand die Kunst besonders darin, dennoch einen homogenen Ensembleklang zu entwickeln. Dies gelang den Musikern sehr überzeugend: Sie wirkten immer wie ein einziger Klangkörper.

 
Elmshorner Nachrichten

Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Kammermusik-Ensemble, das über mehr als drei Jahrzehnte hinweg in der gleichen Besetzung musiziert, sich auch im heutigen Musikbetrieb noch behaupten kann. Das polnische Wilanow Quartett ist ein solches traditionsreiches Ensemble. Es verfügt über eine solide, keineswegs in Routine erstarrte Spielkultur und kann es sich offenbar leisten, jenseits aller Profilierungsnöte, sich der zu interpretierenden .Musik mit einer eigentümlichen Mischung aus souveräner Gelassenheit und ungefilterter Spontaneität zu widmen.

Karlheinz Gradl Allgäuer Zeitung